Gemeinde Molbergen

Bei Handwerkern glühen die Telefondrähte
Von Georg Meyer

Molbergen/Berlin – Heinrich Brinkmann ist sauer. Der Elektromeister hat sich auf die Montage von Fotovoltaikanlagen spezialisiert. Ob das eine gute Idee war, bezweifelt der Molberger spätestens nach der Entscheidung der Bundesregierung vom Mittwoch, die Förderung für Solaranlagen dras-tisch zu senken (MT berichtete).

Seit gestern steht Brinkmanns Telefon nicht mehr still. Kunden, die bei ihm eine Anlage bestellt haben, drängen auf deren Installation – „am besten sofort“. Wenn der Gesetzesvorschlag wie beschlossen schon zum 1. April in Kraft tritt, dürften die Handwerker mit der Arbeit kaum nachkommen. „Wir sind jetzt schon dicht“, stöhnt Brinkmann.

Denn Zeit ist Geld: Bereits zu Beginn des Jahres war die Förderung um neun Prozent auf 39 Cent pro Kilowattstunde abgesenkt worden. Mit dem erneuten Abschlag würde sich die Vergütung um weitere 15 Prozent reduzieren. Dabei ist es nach dem Entwurf des Bundesumweltministeriums egal, wann die Betreiber ihre Kaufverträge unterschrieben haben. Wer seinen Strom nicht rechtzeitig bis zum 1. April einspeist, hat Pech gehabt und muss sich mit der deutlich niedrigeren Vergütung begnügen.

Die Hektik ist also berechtigt, denn nicht alle Anlagen dürften auf der neuen Grundlage noch wirtschaftlich zu betreiben sein. „Ein Kunde hat einen Trafo für 50000 Euro bestellt. Er muss ihn auf jeden Fall abnehmen“, berichtet Brinkmann. Die Produzenten versuchen derweil bereits, Kapital aus der neuen Situation zu schlagen und haben die Preise für Solarmodule erhöht. „Geldschneiderei“ nennt Brinkmann das.

Dass sich an der bisherigen Subventionierungspraxis für Sonnenenergie etwas ändern würde, hatte der Handwerker zwar erwartet. „Mit dieser drastischen Kürzung habe ich aber nicht gerechnet. Ich bin wirklich entsetzt“, stöhnt er. Vor einigen Jahren hat er ganz auf die alternative Technik umgesattelt. „Davor waren wir auf Großbaustellen unterwegs. Als die immer mehr von ausländischen Unternehmen besetzt wurden, mussten wir uns etwas anderes überlegen.“

Brinkmann ärgert sich vor allem über das knappe Zeitfenster. „Warum konnte man mit der Gesetzesänderung nicht bis zum Oktober warten?“, fragt er. Auch sieht er Dachanlagen gegenüber den Freiflächen klar benachteiligt. Deren Betreiber haben immerhin noch bis zum 1. Juli Zeit, ihre Module anzuschließen.

Die Kürzung werde auf dem Rü-cken der Kleinerzeuger ausgetragen, meint Heinrich Brinkmann. „In der Vergangenheit sind Großanlagen zu stark gefördert worden. Die Leute sahen darin eine Goldgrube.“

Mit einer hochsubventionierten Energieform gutes Geld verdienen – das hat noch im vergangenen Jahr zahlreiche Investoren angelockt. Unzählige Ställe, Wohnhäuser und öffentliche Gebäude glänzen in der Sonne – vorausgesetzt ihr Dach befindet sich in Südlage. Die staatliche Förderung hat inzwischen eigenartige Blüten getrieben. In Molbergen etwa will ein Unternehmen eine ganze Siedlung mit futuristischen Solarhäusern errichten. Deren Bau werde sich allein über die Einspeisevergütung refinanzieren, wirbt die Firma auf ihrer Internet-Homepage. (MT berichtete).

Für den CDU-Bundestagsabgeordneten Franz-Josef Holzenkamp ist das letzte Wort in Sachen Gesetzesänderung noch nicht gesprochen. „Es handelt sich zunächst um einen Entwurf, und ich werde alles tun, was ich kann, damit er so nicht umgesetzt wird“, versprach der Garther gestern im MT-Gespräch. Dabei geht es Holzenkamp konkret um die Verlängerung der Übergangszeiten sowie die Vertragssicherheit für Investoren und Handwerksbetriebe.

„Es kann nicht sein, dass jemand, der bereits einen Kaufvertrag abgeschlossen hat, sich plötzlich einer neuen Rechtslage gegenüber sieht.“ Grundsätzlich befürwortet Holzenkamp die Subventionskürzung, um damit die Bürger zu entlasten. „Dennoch muss die Politik verlässlich bleiben.“ Mit seiner Meinung stünde er in Berlin nicht allein da, betont Holzenkamp. „Ich hoffe, dass ich in den nächsten Tagen auch den Umweltminister davon überzeugen kann, dass es Änderungsbedarf gibt.“

Quelle: MT Cloppenburg