Gemeinde Molbergen

 

Streit um Anbindung der Molberger Straße

Cloppenburg (kre/gy) –  Im Streit um den Anschluss der Molberger Straße an die Stadtumgehung wird die Stadt Cloppenburg nach der MT vorliegenden Informationen gegen den Landkreis klagen. Demnach hat sich der Verwaltungsausschuss der Stadt mit deutlicher Mehrheit für diesen Schritt entschieden. Von der Stadtverwaltung war gestern dazu keine Stellungnahme zu erhalten. 

Am Montag werde Bürgermeister Dr. Wolfgang Wiese die Entscheidung bekannt geben, teilte dessen Sprecher Klaus Niemann mit. Für die geplante Anbindung der Molberger Straße an die Ortsumgehung Cloppenburg ist Ende Dezember der Planfeststellungsbeschluss erlassen worden. Er liegt derzeit zur Einsichtnahme bei der Stadt aus.

Der seit Jahren aufgeschobene Anschluss der Straße beeinträchtigt mittlerweile auch das Verhältnis zwischen den Verwaltungen in Cloppenburg und Molbergen. Die Nachbargemeinde erwägt, im Fall einer Klage der Stadt ihrerseits eine gemeinsame Vereinbarung aufzukündigen, nach der sich Molbergen bereit erklärt, 500000 Euro für den Bau der Anbindung zur Verfügung zu stellen (MT berichtete).

Wichtig ist der Bau indes für beide Partner. Molbergen hofft, endlich Anschluss an die großen Verkehrsadern B 213 und B 72 zu finden. Cloppenburg erwartet nach Schätzungen von Gutachtern eine Entlastung des Stadtkerns und der Bewohner um 3400 bis 4000 Fahrzeuge täglich durch die neue Anschlussstelle.

Der Streitpunkt sind die Zu- und Abfahrten auf der Ostseite der B 213 zum Stadtkern hin. Nach Protesten von Nachbarn, die sich gegen den zunehmenden Verkehrslärm wehren, änderte der Landkreis seine Pläne: Statt eines geschwungenen „Kleeblatts“ sind jetzt zwei schmale Rampen vorgesehen. Die so genannten „holländischen Rampen“ halten mehr Abstand zu den Wohnhäusern. Die Prüfungen hätten ergeben, dass diese Lösung unter Abwägung aller öffentlichen und privaten Interessen günstiger sei als das „Kleeblatt“, sagt der Landkreis.

Die Rampen benötigten weniger Fläche, der Eingriff in die Natur sei geringer. Besonders zähle jedoch die geringere Lärmbelastung. Nach einem schalltechnischen Gutachten werde der Lärm mit der neuen Auffahrt sogar geringer als zuvor, meint die Behörde.

Die Rampe schneidet jedoch ein Stück von den Friedhofsflächen ab – zum Ärger der Stadt. Als der St.-Andreas-Friedhof 1989 erweitert wurde, war das rasche Bevölkerungswachstum noch nicht absehbar. Heute hat Cloppenburg 10000 Einwohner mehr, als damals berechnet. Die vom Landkreis verplanten 3000 Quadratmeter könnten über 1000 Grabstellen auf Vorrat kosten. Der Landkreis teilt diese Sorge nicht. Nach dessen Berechnungen könnte eine „optimierte räumliche Gestaltung“ den Verlust sogar ganz ausgleichen.

Dennoch bleiben Bedenken wegen der Verkehrslage: Die Rampen führen dazu, dass direkt neben der dunklen Unterführung der Landesstraße unter der Stadtumgehung praktisch eine neue Kreuzung entsteht, die aus Molbergen herannahende Fahrer erst spät überschauen können. Zugleich kämen Autofahrer von der Rampe auf die Molberger Straße hinunter, ohne den Blick nach Molbergen richten zu können.

Ihnen bliebe im Gegensatz zum „Kleeblatt“ nur eine sehr kurze Einfädelspur, um sich stadteinwärts einzuordnen. Das städtische Planungsamt fürchtet zudem um die Radfahrer und Fußgänger, die diesen Bereich passieren müssen – zum Beispiel, morgens im Dunkeln zur Schule. 

Verärgert sind die Cloppenburger Fachleute auch über die Vorgehensweise. Eine so bedeutende Änderung bestehender Pläne rühre an der Grundlage der Verträge, die zwischen den Kommunen über die Kostenaufteilung geschlossen wurden, heißt es im Rathaus. Obendrein machte der Landkreis Tempo, indem er ein vereinfachtes Beteiligungsverfahren für die Bedenken und Anregungen durchsetzte. Dies halten Planer der Stadt zumindest für rechtlich bedenklich.

Quelle: MT Cloppenburg