Gemeinde Molbergen

Statt Unterricht gibt's Fortbildungen
Von Georg Meyer

Garrel/Molbergen/Sevelten – Während sich Kinder und Jugendliche auch heute wieder über einen schulfreien Tag freuen können, gilt dies für ihre Lehrer nicht. Trotz witterungsbedingten Unterrichtsausfalls müssen die Pädagogen pünktlich in ihren Schulen sein.

Eine Ausnahme bildet die Haupt- und Realschule Garrel. Dort hat Rektor Hubert Looschen allen Lehrkräften frei gegeben. „Wir schieben einen Berg von 1000 Überstunden vor uns her. Der Ausfall ist eine willkommene Gelegenheit, einige davon abzubauen.“ Die Mehrarbeit resultiere vor allem aus Vertretungsstunden, wenn etwa ein Kollege wegen Erkrankung ausfällt. „Bei 54 Lehrern kommt das immer mal vor“, sagt Looschen. Er selbst hält gemeinsam mit seiner Sekretärin und den Hausmeistern die Stellung. Von seinen Schülern ließ sich gestern indes so gut wie niemand blicken. Nur zwei junge Iraker hatten die Nachricht vom Unterrichtsausfall nicht mitbekommen. „Die wohnen aber direkt neben der Schule und konnten gleich wieder nach Hause gehen.“

Auch anderswo waren die Schüler bestens informiert und nutzten den freien Vormittag zum Schlittenfahren. „Wir haben mit 40 bis 50 Kindern gerechnet, aber es ist keines gekommen“, sagte Ria Deeken, die Leiterin der Grundschule Molbergen. Und dies, obwohl vor allem viele arbeitende Mütter auf die Betreuung angewiesen sind. „Offenbar haben sie sich anders arrangiert und ihre Kinder bei Familienangehörigen oder Nachbarn untergebracht“, vermutet die Lehrerin.

Grundsätzlich gilt jedoch: Die Schule darf kein Kind einfach so nach Hause schicken. „Wir sind hier und übernehmen die Betreuung auch dann, wenn wegen zu geringer Schülerzahl kein Unterricht möglich ist“, versichert Rita Otten, Rektorin in Sevelten. Doch auch in Sevelten und Elsten zogen Eltern und Schüler durch die Bank die Verlängerung der Zeugnisferien der Verlässlichen Grundschule vor.

Immerhin vier Kinder konnte Garrels Grundschulleiter Norbert Högemann gestern Morgen begrüßen. Das war auch deshalb ungewöhnlich, weil die Schule just für diesen Tag die jährliche Fortbildung ihrer Lehrer angesetzt hatte und daher der Unterricht ohnehin ausfiel. 25 Kollegen setzten sich stattdessen mit dem Thema „Gewaltfreie Kommunikation im Schulalltag“ auseinander. Auf ähnliche Weise füllte auch Rita Otten in Sevelten die freien Stunden. Gemeinsam mit ihren Kolleginnen erarbeitete sie ein neues Methodenkonzept für die Grundschule.

Dem standen die Pädagogen in Molbergen nicht nach. Themen ihrer Fortbildung: „Der Einsatz des Laptopwagens“ und die „Verbesserung der Einbruchsicherung“. Außerdem nutzte Ria Deeken die Gelegenheit zum Aufräumen und Putzen der Gruppenräume. Unglücklich darüber, nicht wie ihre Schüler ausschlafen zu können, war die Schulleiterin keineswegs. „Endlich haben wir mal Gelegenheit, alle Materialien in Ruhe zu sortieren und zu ordnen.“

Allzu lange sollte der Unterricht allerdings nicht auf Eis gelegt bleiben. Sämtliche Minusstunden müssten nachgearbeitet werden, betont Norbert Högemann. Und überhaupt: Eine Schule ohne Schüler – das werde auf Dauer auch den Lehrern zu langweilig.

Quelle: MT Cloppenburg