Gemeinde Molbergen

Kommunen bereitensich auf neuen Perso vor
Von Angelika Hauke

Kreis Cloppenburg– Knapp 3000 Personalausweise stellt die Stadt Cloppenburg pro Jahr aus. „Das Interesse an den neuen Ausweisen ist groß“, hat Pressesprecher Klaus Niemann festgestellt. „Unsere Broschüren sind alle weg.“ Mit den multimedialen Funktionen des Ausweises steigt der Verwaltungsaufwand. „Weil jede Antwort des Bürgers dokumentiert werden muss, fallen pro Jahr schätzungsweise 50 Aktenordner mehr an“, hat Niemann ausgerechnet. „Wir wissen gar nicht, wohin damit.“

In Bösel zum Beispiel werden circa 750 Anträge jährlich bearbeitet. Mit einem Ansturm Anfang November auf die „neueIdentität“ rechnet Bürgermeister Hermann Block allerdings nicht. „Diese Tendenz ist derzeit nicht zu erkennen. Vielmehr kommen jetzt ältere Menschen ins Rathaus, deren Ausweis in den nächstenMonaten abläuft und beantragen vorzeitig einen neuen, weil sie den multimedialen Mehrwert des neuen Personalausweises ohnehin nicht nutzen.“ Block teilt die Auffassung des Städte- und Gemeindebundes, dass die Neuerung mehr Arbeitszeit bindet.

„Den Mitarbeitern wurde dieser Mehraufwand bereits in den Schulungen signalisiert. Anstatt sieben Minuten sind künftig für die Antragstellung und das Abholen des Ausweises 20 Minuten für die Bearbeitung zu veranschlagen.“ Diese Kosten gingen voll zu Lasten der Gemeinde. Block: „Dabei ist noch gar nicht berücksichtigt, dass sich die Anzahl der Kundenkontakte für die Geltungsdauer eines Ausweises auch erhöht. Hat ein Ausweisinhaber beispielsweise die Pin-Nummer vergessen, muss er sich wieder an die Ausstellungsbehörde wenden. „Wir werden über unseren Spitzenverband, niedersächsischen Städte- und Gemeindebund, diesen Mehraufwand finanziell einfordern“, kündigt der Böseler Bürgermeister an. Installieren müssendie Gemeinden auch eine neue Software: „Sie befindet sich derzeit in der praktischen Testphase“, sagt Block.

In Garrel werden jährlich 1600 Personalausweise beantragt. Bürgermeister Andreas Bartels rechnet im November mit einer „vermehrten Antragstellung“. Mehr Zeit brauchen die Mitarbeiter auch im Garreler Rathaus für die Erstinformationen der Antragsteller, die Abnahme der schriftlichen Erklärungen zur Aufnahme der Fingerabdrücke und die Onlinefunktion sowie den Empfang des Informationsmaterials.

Bartels: „Für die Übermittlung auf elektronischem Wege der Personalausweisanträge an die Bundesdruckerei ist ab November ein neues Datenaustauschformat erforderlich.“

In Löningen werden jährlich ca. 1500 Personalausweise ausgestellt. „Eine Verlängerung ist undwar bisher auch nicht möglich“, erinnert Bürgermeister Thomas Städtler. Zurzeit werde jeder Besucher, der einen Personalausweisbeantragt, auf die Möglichkeiten ab November 2010 hingewiesen. Viele, so Städtler, warteten dann auch ab. Andererseits sei festzustellen, dass viele Bürger aus Kostengründen noch den alten Personalausweis beantragen. „Wir gehen daher nicht von einem Ansturm aus, aber vielleicht von einer gewissen Belebung.“ Interessant sei auch, dass ältere Bürger eher dem alten Personalausweis zugeneigt seien und jüngere eher dem künftigen Personalausweis.

Durch die künftigen Erläuterungsgespräche würden pro Ausweis 20 Minuten statt wie bisher sieben notwendig sein. Städtler: „Ich gehe aber davon aus, dass sich das Ganze im Laufe der Zeit einspielt und wir mit unserem Personalbestand auskommen. Man muss auch Neuentwicklungen positiv begleiten und nicht nur, wie es manche Verbandsvertreter ja gerne tun, den Untergang des Abendlandes beschwören, wenn Bestehendes verändert werden soll.“

Die Stadt Löningen hat bereits im April das bisherige Verfahren durch das neue Einwohnermeldeverfahren „Meso“ ersetzt. Die Erfahrungen im täglichen Einsatz würden bei der Einführung dafür sorgen, dass keine Anwendungsprobleme bei der neuen Software auftauchten.

DieSoftwareumstellung erfolgte durch die Kommunale Datenverarbeitungszentrale Oldenburg kostenneutral. Die Hardware für das Änderungsterminal wird von der Bundesdruckerei kostenlos zur Verfügunggestellt.

Quelle: MT Cloppenburg